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Lästerliche Schriften Candide Das Nerrenschiff Die Ethik Notre Dame in Paris

»Als Junge kam ich von Berlin-Ost nach Berlin-West. Im Mai 1954. Mein Vater, unterdrückt schon von der Nazi-Diktatur, fand den Kommunismus des DDR-Regimes unerträglich und floh mit der Familie vor dem wachsenden Zwang. Zur Bestätigung der neuen Freiheit abonnierte er im Westen den „Tagesspiegel“. Diese Zeitung hatte auf der Titelseite „im Kopf“ unter einer Weltkugel als Motto die Worte „Rerum cognoscere causas“. Merkwürdiges auf Latein. Tag für Tag. Das ging mir nicht aus dem Kopf.

Erst einmal lernte ich, dass dieses gewichtige Wort, „die Ursachen der Dinge erkennen“, von den alten Römern stamme. Dann, dass es Freude bereiten könne, neugierig „die Dinge“, die Menschen, das Leben, die Welt, die Natur, die Geschichte kennen zu lernen, und weiter, kritisch allem auf den Grund zu gehen. Das wurde zum Lebensziel.

Für mich als Studenten von Philosophie und Theologie. Dann für den Journalisten und Korrespondenten der F.A.Z. seit 1978 in Rom, zuständig für Italien und den Vatikan. Denn ich musste, ich durfte „die Dinge“ in Augenschein nehmen, die Ereignisse und Entwicklungen, Politiker und normale Personen, sollte menschliche Zusammenhänge, soziale Hintergründe aufspüren und darlegen. Immer wollte ich wahrnehmen und verstehen, Ursache und Wirkung feststellen und beschreiben.

Ein Lebensprogramm im Erfahren und Schreiben: Personen und ihr Woher, Dinge und ihre Gründe, in Wörtern, Wörtern, Wörtern. So entstanden ungezählte Artikel für die F.A.Z., so wuchsen die Bücher: Reiseführer über alle Regionen Italiens, Sachbücher aus dem Herzen des Vatikans – und schließlich auch Romane, in denen Geschichte in die Gegenwart reicht, in denen politische Intrigen und die Suche nach der Wahrheit zu spannenden Geschichten werden.«

Heinz-Joachim Fischer